Panik ist eine primitive Emotion

Oktober 10, 2017
Boss Babe Laura Kessner

Ich dachte immer, sein eigener Boss zu sein, wäre cool. Ein Ziel zu haben, einen geregelten Tagesablauf… Jetzt sitze ich hier und esse Cornflakes zum Frühstück: Um 18:23 Uhr. Ohne Milch. Im Schlafanzug von letzter Woche.

Okay, ganz so schlimm ist es nicht – ich habe immerhin gekämmte Haare! Trotzdem: Letztes Wochenende beschloss ich, dass es so nicht weitergehen kann. Ich lief Gefahr, in Selbstmitleid zu versinken. Keine Arbeitskollegen, so gut wie keine sozialen Kontakte, unbezahlte Rechnungen, schleppende Aufträge – das Leben eines Freiberuflers. Ich wollte das. Aber nicht so.

„DU HAST DEINEN BISS VERLOREN“

Ein Nebensatz, der mir den Magen umdrehte. Nicht, weil eine meiner engsten Freunde ihn mir ins Gesicht sagte, sondern weil sie Recht hatte. Weil ich mir das selbst schon oft genug ins Gedächtnis gerufen hatte. Das #BOSSBABE in mir war verstummt. Was war geschehen?

Die Schweiz-Reise war grandios, mit ihrem Ergebnis war ich äußerst zufrieden. Doch startete ich erkältet in diesen Job und zu Hause bekam ich die Retourkutsche. Versteht mich nicht falsch, ich würde immer wieder fahren, stünde ich erneut vor der Entscheidung. Doch ich kurierte mich nicht aus, rannte bei der nächsten Gelegenheit wieder zum Sport. Also übergab ich mich. Wieder und wieder. Doch das war bei Weitem nicht das Schlimmste.

WER KATASTROPHEN MAG, WIRD MICH LIEBEN. DER REST GEHT EINFACH WEITER. DANKE.

Ich versank danach in eine Art Trance, Melancholie wenn man so will. Ich hatte meinen Biss verloren. Meinen inneren Boss. Strauchelte. Rannte vor Verantwortung weg. Unsichere Finanzen und Einsamkeit sind meine größten Schwierigkeiten in der Selbstständigkeit. Doch ich habe am Wochenende gemerkt: Sie bringen mich nicht dazu, aufzuhören, sondern sind Antreiber, meine alten Muster aufzubrechen und meine Komfortzone zu verlassen. Also machte ich mir Freitagnachmittag einen Schlachtplan:

2 Tage arbeite ich nicht von Zuhause aus, sondern in Cafés, Bibliotheken, Freunden, etc. 1 Tag in der Woche widme ich (solange es die Auftragslage zulässt) dem Lernen, dafür habe ich mir eigens einen eigenen Lehrplan geschrieben. 2 Stunden in der Woche intensiviere ich meine Norwegisch-Kenntnisse. In den Mittagspausen, in denen ich von Zuhause aus arbeite, mache ich einen Spaziergang. Jeden Freitag plane ich meine kommende Woche Stunde um Stunde vor. Und so weiter und so fort. Ihr wisst nicht, wie gut das tut und hilft.

Warum ich so offen über meine Probleme spreche? Weil es die Wahrheit ist. Weil ich nicht alleine damit bin und ein Beispiel sein möchte, nicht nur für Authentizität, sondern auch für Lösungen. Weil ihr mich zum Weitermachen bringt. Meine kleine #BOSSBABEArmee da draußen hilft mir, dafür danke ich euch. Außerdem: Man muss auch mal was Schlechtes von sich preisgeben. Sonst verlieben sich noch alle.

WIR ALLE HABEN MAL EINEN DURCHHÄNGER

Doch irgendwann muss auch mal wieder Schluss sein. Schluss mit Selbstmitleid, Schluss, die Fussel am Fußboden zu zählen und Schluss mit all den Fragereien, Zweifeln. Konzentrier dich lieber auf die Sterne am Himmel – jeder kleine Stern ist Zeugnis deiner Hindernisse auf dem Weg, ja. Aber jeder größere, schöner strahlende Leuchtkörper am Horizont steht für ein grandioses Projekt, eine tolle Erfahrung, eine Freundschaft, was auch immer. Sieh zu, dass du dich darauf konzentrierst. Frag dich: Was hält dich davon ab, großartig zu sein? Und wenn du dir selbst stehst, dann stell dir die Frage, was du ganz konkret besser machen kannst, um deine wahre Willenskraft entfalten zu können. Mach dir deinen eigenen Schlachtplan. Das Wichtigste: Renn nicht weg, deine Probleme holen dich immer wieder ein.

Boss Laura Kessner MUC

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4 comments

Cindy Oktober 13, 2017 at 11:38 am

Oh mein Gott- du sprichst mir aus der Seele… Ich werde deine Tipps ausprobieren

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Laura Oktober 19, 2017 at 8:12 pm

Liebe Cindy,

das freut mich einerseits natürlich total und andererseits hoffe ich, dir mit dem Gesagten etwas helfen zu können. Schreib mir gerne, ob du auf deinem Weg noch über andere Tipps gestolpert bist und wie du klarkommst 🙂
Zusammen sind wir stärker!

Lieben Gruß du BOSSBABE
Laura

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Christof Oktober 12, 2017 at 12:38 pm

und noch was: alles, was du da so postet tönt m.E. nach ziemlich kurzfristig gedacht – mache dir nicht nur reflektionen und gedanken über die letzten und nächsten beiden tage, sondern mache einen karriereplan, einen zukunftsplan, eine finanzplanung… sowohl als business case als auch für deine privaten vorhaben. mit dieser auslegeordnung wirst du auch erkennen, was es alles braucht, bis du den break even (finanziell gesprochen) erreicht hast. vielleicht ist es ja eine möglichkeit, in einem teilpensum als angestellter zu arbeiten und nebenher deine selbständigkeit aufzubauen, was dann ein solides fundament ergibt… es gibt ja nicht nur s/w, sondern auch viele grautöne dazwischen.

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Laura Oktober 19, 2017 at 8:11 pm

Hallo Christof,

danke für deine konstruktiven Anmerkungen! Da spricht ein BWLer aus dir 😉 Du hast natürlich vollkommen Recht – mein Ziel sollte es sein, langfristig zu denken. Damit mich das aber nicht alles wieder total überrennt und ich wieder das Gefühl bekomme, alles auf einmal machen zu müssen und nichts zu schaffen, sind erstmal kleine Schritte und eins nach dem anderen angesagt.
Die Punkte, die du ansprichst werden dann in einem Monatsplan mit Jahreszielen etc. münden, wie das große Unternehmen eben auch tun. Deswegen ein guter Schubser in die richtige Richtung, Dankeschön!

Lieben Gruß
Laura

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